Skandinavien
Sommer
Roadtrip

Sandstraumen: Gezeitenstrom – Bigger and bigger

Route Facts

Dauer
2 Tage
Region
Saison
Reisetyp

Nach 2.5 Tagen Regen und der Prognose von 6 weiteren Tagen Regen binnen 1 Woche, habe mich entschlossen, die wunderschönen Lofoten zu verlassen und mit der Fähre von Moskenes nach Bodø überzusetzen. Ich habe mir extra den Tag mit dem wenigsten Wind ausgesucht, damit ich eine möglichst ruhige Überfahrt habe. Tja, das ging mal gehörig schief. Ich habe noch nie so einen Seegang mitgemacht und manchmal neigte sich das Schiff seitlich so stark, dass man Bedenken hatte ob jetzt die Welle über das Schiff hereinbricht und einige machten sich schon Sorgen, ob die Autos im Laderaum zusammengeschoben werden. Den Gedanken habe ich mir nicht gemacht, mag aber auch daran gelegen haben, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte und es mir elend ging. Ich kann euch nicht sagen wie froh ich war, als wir im Hafen angekommen und ich runter vom Schiff war. Also erst mal auf den Campingplatz am Saltstraumen gefahren. Der Saltstraumen ist ein Fjord mit dem stärksten Gezeitenstrom in Norwegen. Bei Flut zieht das Wasser mit viel Druck in das Fjord rein und einige Stunden später in gleicher Geschwindigkeit kehrt sich der Strom um und es fliesst aus dem Fjord raus. Das sind Wassermassen, die beeindrucken.  Am ersten Tag haben wir, die Campingnachbarn die von Moskenes zufällig auf den gleichen Campingplatz wie ich gefahren sind, das Schauspiel nur kurz angeschaut, da das Wetter sehr bescheiden war. Abend sind wir deshalb ins Restaurant und haben aussergewöhnlich leckere Fisch- und Blumenkohlsuppen bekommen. Die waren verdammt lecker. Am nächsten Tag war gutes Wetter und ich bin bei einsetzender Flut ins Fjord zum angeln. Die kleinen 30-35cm Seelachse habe ich alle wieder in die Freiheit gelassen, die dürfen noch wachsen und sich vermehren. Einen 44cm Seelachs habe ich mitgenommen. Beim Ausnehmen kam ein ganzer Schwarm Möwen und hat nur auf eine Mahlzeit gewartet. Da nach 1-2 Stunden die Strömung weg war beschloss ich bei einsetzender Ebbe nochmal ins Fjord zu gehen, denn für 3 Personen ist der Seelachs etwas wenig. Also am Nachmittag rechtzeitig raus. Ein paar kleine Seelachse. Hm, da habe ich mir was grösseres vorgestellt. Also mal die Unterwasser Topografie angeschaut. Dabei habe ich festgestellt, dass in 20-30m Entfernung vom Ufer eine Felskante ist an der es fast 50m runter geht. Also Taktik geändert und statt eines Blinkers einen gelb-roten Gummifisch mit 50g Jig montiert. Weit ausgeworfen und ihn absinken lassen. Ich habe ca. 80m Schnur gebraucht. ein erstes mal eingeholt und da hatte schon was am Köder gezupft aber blieb nicht hängen. Also ein zweites Mal ausgeworfen. Auf einmal ein Biss? Hm… Keine Kopfschläge, kein Zappeln aber enormer Druck auf der Leine. Aber Seegrass konnte es eigentlich nicht sein, denn es hat immer wieder Leine langsam und gleichmässig gezogen. Wenn der Druck auf der Leine nachgelassen hatte konnte ich meist 1-2m Leine einziehen, dann kam wieder Gegendruck bis sich die Angel biegt. Ich war mir aber recht sicher, das ist ein Fisch und der hat was auf den Gräten. Es hat einige Minuten gedauert bis ich im Wasser sehen konnte, was für ein Dickerchen an der Leine hing. Ein Kabeljau und der war gross. Ich konnte ihn landen, ohne dass er sich vom Haken gelöst hat. Was ein Fang. Mein erster Fisch über 80cm und dann noch richtig fett. Das Abendessen stand somit fest. Aber davor musste ich das Monster ja noch zum Campingplatz tragen, ca. 1.5KM. Mir sind fast die Arme abgefallen, so schwer war der Fisch. Unterwegs wollten viele ein Foto machen. Das war wohl für Küstenangeln ein guter Fang, wie es aussieht. Am Campingplatz angekommen hat die Dame von der Rezeption gebeten ein Foto für Social Media und die Website machen zu dürfen. Mal schauen ob das Bild von ihnen schon Online ist. Im Fischraum bekam ich unverhofft Hilfe. Ein Campinggast, der seit 20 Jahren in der Fischindustrie arbeitet und ca. 200 Tonnen Fisch in seinem Leben schon filetiert hat, wie er sagt, hat mir die richtige Technik gezeigt. Das war klasse, da konnte ich noch viel lernen. Das gab grosse, tolle Filets. Abend hat Beate eine leckere Gemüsepfanne gemacht, Walter hat ein Bier spendiert und ich habe gemäss Tipp die Fischfilets in Mehl mit Salz und Zitronenpfeffer gewälzt und in Butter gebraten. Dazu in Butter geröstet Zwiebelringe. Was ein essen.

Ach, da war ja noch der Seelachs vom Morgen. Man sollte keinen Fisch töten, wenn man ihn nicht auch isst. Da ergab sich aber ein schöner Zufall. Was fällt beim Rezept von oben auf? Mehl. Das ist nicht das was ein Camper typischerweise dabei hat. Doch unsere >85 jährigen netten Campingnachbarn aus den Niederlanden hatten Mehl und haben es uns gerne gegeben. Als ich hörte, dass sie Fisch lieben habe ich ihnen den Seelachs angeboten. Sie haben sich sehr gefreut. Also noch schnell für die filetiert, das hatte ich ja kurz zuvor gezeigt bekommen und konnte die neue Technik gleich testen, und ihnen gebracht. Sie haben den ganzen Abend vom leckeren Fisch geschwärmt und wir konnten dank ihnen unseren Fisch wie gewünscht zubereiten. Win-Win und alle sind happy. Was ein Tag, der wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

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